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Beziehung (er)leben

Rückblick auf die Gemeindefreizeit 2017 in Gussow

Gemeindefreizeit 2017

Gemeindefreizeit, das heißt raus aus dem Alltag und hinein in die Natur. Sich Zeit nehmen, um über das eigene Glaubensleben nachzudenken, viele aus der Gemeinde besser kennenzulernen, tiefere Gespräche zu führen, Impulse aufzunehmen, gemeinsam zu essen, zu feiern, zu singen und zu beten. Als "Neuling" in der Gemeinde war ich natürlich besonders gespannt und habe mich darauf gefreut, zu den vielen Gesichtern im Gottesdienst endlich die Namen zu lernen und ein bisschen von den spannenden Lebensgeschichten zu hören.

Im Laufe des Freitagnachmittags trudelten die Teilnehmer nach und nach ein. 56 Erwachsene, 15 Kinder und 4 Babys waren angemeldet. In der Spalte "Alter" auf der Teilnehmerliste stand bei einigen "Null".

Zur offiziellen Begrüßung hatten sich die Organisatoren etwas Schönes einfallen lassen. Wenn man sich in einer langen Reihe aufstellt und vom Ende beginnend einer nach dem anderen an der ganzen Schlange vorbeigeht, kann in kurzer Zeit jeder jeden begrüßen! Nach so viel herzlichem Hallo war das Eis, sollte es bei den sommerlichen Temperaturen überhaupt bestanden haben, endgültig gebrochen. Man war angekommen - die Freizeit konnte beginnen!

Nach dem Abendessen und der Gute-Nacht-Geschichte für die Kinder haben uns die Schotts - Olga und Rudi - Einblicke in ihre Missionsarbeit im Kosovo und in Österreich nehmen lassen. Unsere Gemeinde begleitet und unterstützt die Familie Schott schon seit vielen Jahren. Rudi stand uns in Gussow als Referent zur Verfügung und hat uns in mehreren Einheiten das Freizeitthema "Beziehungen (er)leben" nähergebracht.

Der Samstagmorgen begann mit einer Andacht an einem Kreuz im Wald auf einer Anhöhe hinter dem Haus. Nach der geistlichen folgte die körperliche Stärkung am leckeren Frühstücksbuffet. Danach startete die erste Themeneinheit. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir eine Grafik, die Gemeinschaft in zwei Dimensionen beschreibt. Die eine Dimension ist die Stärke der Beziehungen, die andere die Zielorientierung. Eine reine Dienstgemeinschaft ist durch geringe Beziehungen und eine hohe Zielorientierung gekennzeichnet, während ein hoher Beziehungsgrad bei geringer Zielorientierung eine "Wohlfühlgemeinschaft" beschreibt, mit Respekt voreinander aber ohne ein gemeinsames Ziel. Ideal wären für eine Gemeinde starke Beziehungen und eine hohe Zielorientierung - ein echtes Miteinander im Dienst für Jesus. In Gesprächen an den Tischen wurde es dann konkret: wo verorten wir uns in diesem Koordinatensystem?

Ein zweiter Gedankengang betraf eine Ursache vieler Beziehungsprobleme, nicht nur in Gemeinden. Neben der sachlichen, faktischen Ebene gibt es immer einen Filter, durch den jeder einzelne seine Umwelt betrachtet. Das ist die Meinungsebene, die durch vielfältige Vorerfahrungen geprägt ist. Als Resultat kommt es dann zu emotionalen Reaktionen. Das zu erkennen kann helfen, Missverständnisse auszuräumen und zu verstehen, warum ein anderer anders reagiert als ich selbst.

Nach dem leckeren Mittagessen und einigen Gruppenfotos stand der Samstagnachmittag zur freien Verfügung. Das schöne, weiträumige Gelände der Gästehäuser Gussow mit seinem hohen Baumbestand hat einen direkten Zugang zum Dolgensee. Zwei Familien hatten Kanus mitgebracht, die sogleich zu Wasser gelassen wurden. Andere saßen lieber auf den Bänken am Ufer und haben zugeschaut oder sich unterhalten. Vor dem Abendessen gab's noch einen Workshop, wo in lustigen Gruppenspielen das "Miteinander" beim Lösen vorgegebener Aufgaben geübt werden konnte.

Der Samstagabend stand im Zeichen einer ganz besonderen Beziehung: unserer Beziehung zu Gott. Aber zuvor gab es zum Ausgleich für das vegetarische Mittagessen reichlich Fleisch und Wurst vom Grill. Nach dem Essen haben wir uns getrennt. Jeder einzelne war eingeladen, an mehreren Stationen auf dem Gelände innezuhalten, Bibeltexte zu lesen, zu beten, für sich beten zu lassen oder einfach Zeit in der Stille zu verbringen. Zum Abschluss sind wir dann wieder alle zusammen gekommen und haben gemeinsam Abendmahl gefeiert. Rund um das Lagerfeuer hatten wir dann wieder die Gelegenheit, einander besser kennenzulernen.

Sonntag - letzter Tag! Auf schnell zusammengestellten Bänken unter hohen Bäumen feierten wir mit Jung und Alt Familiengottesdienst im Freien. Auch die Kinder hatten ihren Spaß, durften sie doch (fast) echte Goldmünzen einsammeln, Erwachsenen Attribute wie „lieb“ oder „alt“ anheften und einen etwas zu hoch gewachsenen Zachäus bestaunen, der aus einer Baumkrone zu uns sprach.

Ein gesegnetes Wochenende stand vor dem Abschluss. Ein letztes Zusammenkommen vor dem Mittagessen, Dank an das Küchenteam und an alle, die in irgendeiner Form mitgewirkt haben. Und dann nochmal „jeder grüßt jeden". Dass die Verabschiedung wesentlich länger dauerte als am ersten Tag die Begrüßung, dürfen wir als gutes Zeichen ansehen.

Schön war es, und sehr gesegnet. Wo kann man sich für die nächste Freizeit anmelden?

Stefan Peters

Gemeindefreizeit 2017 in Gussow